„Going out to watch live music is an absolute joy – it’s the best thing about being alive“
~ Big Jeff ~

So isses. Und vorgestern kam der Tag, auf den ich sehnsüchtig gewartet und den ich gleichzeitig gefürchtet habe: Die Augustines baten zum letzten Tanz, um noch einmal mit uns Fans einen Abend alive zu sein. Dabei ist es noch keinen Monat her, seit die Indie-Rocker folgenschwer angekündigt haben: Nach der Tour ist Schluss. Finito. Aus. In die Zukunft führen nur noch getrennte Wege. Diese Entscheidung schwebte auch die ganze Zeit über dem Auftritt im Münchner Backstage mit. Bedrückte Stimmung gab es aber zu keiner einzigen Sekunde, dafür sorgten William a.k.a. Billy, Eric und Rob mit einer unvergleichlichen Show, die auf großes Tränenvergießen verzichtete und ganz unter dem Motto stand: Traurig sein können wir auch noch morgen, heute hauen wir nochmal richtig auf die Kacke!

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Dabei ging es nach dem Gänsehaut-Intro „Highway 1 Interlude“ ganz ungewohnt los. Normalerweise spielen an dieser Stelle die meisten Bands entweder ihre neueste Single oder einen Klassiker aus der Diskografie, um das Publikum anzuheizen. Doch das brauchten die Augustines gar nicht, die Fans waren von Anfang an mit ganzem Herzen dabei und sangen auch beim ruhigen „The Avenue“ leidenschaftlich mit. Danach ging es aber gleich von Null auf Hundert, als die Nostalgiekiste geöffnet wurde und einige Juwelen vom Debütalbum Rise Ye Sunken Ships herausgezogen wurden. Unterbrochen wurde der Block nur von „Are We Alive“, meinem absoluten Liebling der aktuellen Scheibe, der live nochmal doppelt so viel reinhaut als auf Platte und bei dem aus jeder Pore zusammen mit viel Schweiß auch pure Freude ausgeschwitzt wurde. Generell sangen, spielten und tanzten die Augustines wirklich, als ob es kein Morgen gäbe. Ich bin alles andere als ein Esotheriker, aber die Energie die uns von der Bühne zuströmte war immens und nahm die ganze Halle ein. Leute, das ist Musik, wie sie sein sollte!

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Die zweite Hälfte sparte auch nicht mit Highlights. Billy und Eric erfüllten dann auch gleich mal einen geheimen Wunsch von mir, indem sie das normalerweise rockig-treibende „Philadelphia (The City Of Brotherly Love)“ als bedächtige Ballade vortrugen, bei der Billys rauhe Stimme nur vom Keyboard begleitet wird. Diese Version ist so phänomenal, dass sich das Publikum nach jeder Strophe in den Pausen nicht mehr halten konnte und sich alles von der Seele klatschte.
Bei all den Rückblicken auf die Zeit der Augustines schaffte es auch ein Cover der Band Pela auf die Setlist, in der Billy und Eric bis 2009 Mitglieder waren. Der Song „Waiting on the Stairs“ ist ein fantastisches Kleinod des Indierocks und braucht sich keinesfalls hinter den Werken der Augustines verstecken. Nicht umsonst stimmte jeder mit einem lauten „Come sit next to me / I am not your enemy“ gegen Ende des Songs ein.

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Im Gegensatz zu uns war Billy lange recht wortkarg, was mich sehr überraschte. Immerhin war er dafür bekannt, gerne und viel zwischen den Songs zu erzählen. Hatte er sich etwa auf der Solotour Anfang des Jahres vollkommen ausgequatscht, als er munter aus dem Nähkästchen  lustige Anekdoten und ernste Geschichten über sein Leben, die Songs und vieles mehr auspackte? Nein, das war zum Glück nicht der Fall. Es war vielmehr so, dass die Band einfach so versunken in ihre Musik war und es sich wohl einfach richtig anfühlte, so viele Songs für uns zu spielen wie möglich. Gegen Ende konnte sich Billy das Reden doch nicht verkneifen und verzauberte die Anwesenden wie gewohnt mit seinem Charme. So ließ er sich mit einem besonders lauten Fan mehrmals dazu hinreißen, den falschen Wochentag zu nennen („It’s fucking Wednesday guys! Or is it Tuesday?“ „It’s a beautufil Sunday“) oder scherzhaft gestand, dass er nachts in einsamen Stunden immer an seine Bandmitglieder denkt und sie mental miteinander betrügt (Das nenne ich Crewlove).

Es war einfach wunderschön. Wir haben gelacht, getanzt, gesungen und uns die Hände wund geklatscht. Letzteres an einer Stelle so sehr, dass Billy gleich ganz überwältigt aus dem Konzept kam. Ist ja aber auch nicht verwunderlich, bei unseren Klatsch-Skills. Denn wenn wir Deutschen eines können, dann ist das im Takt klatschen (Schalalala und so).

Es war sogar so schön, dass niemand wollte, dass der Abend je zu Ende geht. Da können einem auch fast die Augen wässrig werden, wenn man dann Sätze hört wie „I don’t want this to end. Can we just keep dancing forever?“ Und so reihte sich in der Zugabe Song an Song und auch wenn dieses Mal „Weary Eyes“ nicht inmitten der Zuschauer gespielt wurde (was mein Konzerterlebnis 2014 dadurch umso mehr einzigartig macht) gingen die Augustines nochmal mit einem großen BANG und das gesamte Backstage tanzte mit „Cruel City“ in die Nacht hinein.

Danke Augustines für dieses letzte Mal mit euch, für diesen unvergesslichen Abend. Ihr habt uns wieder spüren lassen, dass wir das vierte Mitglied der Band sind (also metaphorisch neben dem Trompeter, der bei den Konzerten aushilft) und genauso geliebt werden, wie wir die Augustines in unseren Herzen behalten werden. Und irgendwie hat Billy im Überschwung der Ereignisse einen Satz fallen lassen, der nachdenklich macht: „I really don’t want to leave these guys…I have a funny feeling, that we will come here again.“ Gibt es also Hoffnung auf ein Comeback? Wir werden sehen. Lieber Billy, bitte verarsch uns nicht, okay? Ich werde warten. Versprochen.

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