Vorgestern ist mir das passiert, wovor sich jeder Musikliebhaber in seinem Leben fürchtet: Die Lieblingsband hat bekannt gegeben, sich aufzulösen. In meinem Fall sind das die Augustines.

Mit einem Post, der mit den Worten „Come Sing With Us, One Last Time“ beginnt und der jedem Fan die Tränen in die Augen treibt, haben Billy, Eric und Rob es offiziell bekannt gegeben: Nach der Herbsttour ist Schluss. Aus. Die Augustines gehen getrennte Wege, ganz ohne Streit oder sonstigen Differenzen. Schuld soll die aktuelle Lage des Musikbusiness sein: „The truth is that the road is very challenging for artists in the modern age. It was only through your tireless support that the good ship, Augustines, has kept sailing since we met you in 2011.“ Außerdem seien die drei ja nicht aus der Welt und werden auch neue Projekte ansteuern.

Das war mir jedoch alles im ersten Moment vollkommen egal, denn die Auflösung hat mich einfach extrem tief getroffen. Das liegt nicht nur daran, dass sie einfach unglaublich gute Musik gemacht haben. Ihr Debüt „Rise Ye Sunken Ships“ ist ein kleines Meisterwerk, dass die Indieszene nach Erscheinen sofort in seinen Bann gezogen hat. Die rauhe, einzigartige Stimme von William „Billy“ McCarthy singt inbrünstig über Sorgen, Ängste und Probleme und bringt einen trotzdem zum tanzen. Es geht um immer um Geschichten aus dem Leben, meist realem Hintergrund. Und wenn man die Augustines live erleben durfte hat man das auch sofort gespürt: Die Musik ist für sie eine Herzensangelegenheit.

So kam es z.B. während einer Tour zu einer besonderen Art von Konzert aufgrund eines tragischen Vorfalls. Der Vater von Multi-Instrumentalist Eric starb, woraufhin dieser eine Auszeit nahm. Die Band jedoch setzte aus Liebe zu den Fans die Tour trotzdem fort. Es wurde improvisiert und letztendlich entstanden wunderschöne und unvergessliche Acoustic-Gigs inmitten der Zuschauer.

Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum die Augustines auch für mich zur Herzensangelegenheit wurden. Ich hatte nämlich einmal die unglaubliche Gelegenheit, Billy und Eric für Kanal C, das Augsburger Aus- und Fortbildungsradio, interviewen zu dürfen. Es war zu dem Zeitpunkt mein zweites Interview, dass ich vollkommen alleine ohne jegliche Begleitung führen durfte. Ergo war ich extrem nervös, aufgeregt und angespannt. Das wurde auch nicht besser, als mir gesagt wurde, dass das ganze Gespräch mit einer Kamera aufgezeichnet werden würde, damit es möglicherweise in der Dokumentation „RISE. The Story of Augustines“ verwendet werden kann. Wow. Das muss man als junger Nachwuchsjournalist erstmal verdauen. Und dann sitzen einem auch noch die Idole auf dem Sofa direkt gegenüber. So kam es dann, dass ich mich mit meinem eingerosteten und durch die Nervosität noch reduzierterem Englisch von Frage zu Frage stammelte. Billy und Eric haben sich dadurch aber keinesfalls beeinflussen lassen und mit viel Witz und Charme das Gespräch am Laufen gehalten, während sie nebenzu versucht haben, mich mental aufzubauen. Aufgrund von Billys sehr eigenem Humor bekam ich sogar den Spitznamen „Angry Man“, da ich anscheinend die ganze Zeit seeehr ernst geguckt haben muss. Was natürlich der Nervosität geschuldet war, aber das wussten wir alle.
Ganze 40 Minuten wurden es letztendlich. 40 Minuten, in denen viel abgeschweift wurde, gelacht und die bis heute einer der prägendsten Momente in meinem Leben sind. Wenn wir vom Tourmanager nicht unterbrochen worden wären, hätten wir vermutlich nochmal so lange miteinander geschwatzt. Am Ende habe ich es dann sogar noch zustande bekommen, ein Foto (natürlich nur für die Homepage vom Radio) zu schießen und mir eine CD von ihrem damals aktuellen, selbstbetitelten Album zu holen. Welche dann nicht nur von allen mit Unterschriften versehen wurde, sondern auch einem dicken „Thank you, Christian!!!!“.

Ich habe in meinem ganzen Leben nur sehr, sehr wenige Menschen getroffen, die so nett und herzensgut waren wie die Augustines. Obwohl ich nur ein stammelnder Knirps mit Aufnahmegerät war, haben sie mich genauso ernst genommen wie jeden anderen und sich ernsthaft gefreut, dass ich so ein großer Fan ihrer Musik war. Für jemanden wie mich, der schon so manchen Tiefpunkt in seinem Leben hatte und sein Selbstvertrauen von grundauf und langsam aufbauen musste, bedeutete dieser Tag enorm viel. Vor 5 Jahren hätte ich niemals gedacht, dass ich dort stehen würde wo ich heute bin. Dass ich mal ein Studium abschließen, live im Radio sprechen oder eben mit meiner Lieblingsband ein 40 Minuten-Interview führen würde. Jeden Tag sehe ich die CD in meinem Regal bevor ich das Zimmer verlasse  und hole mir Mut, indem ich mich daran erinnere, was ich bisher schon alles geschafft habe.

Aus diesem Grund bin ich zwar immer noch tieftraurig über die Auflösung, freue mich aber umso mehr auf das Konzert am 27. September in München, fast genau zwei Jahre seit dem schicksalshaften Interview und dem unvergleichlichen Auftritt danach. Singen, Tanzen, das Leben feiern – For One Last Time. Wer weiß, vielleicht spielen sie auch wieder eine Zugabe inmitten der Fans. Wie damals 2014 (Wo ich mir immer noch nicht sicher bin, ob sie diese Tradition spontan wieder aufgenommen haben, weil ich sie im Interview erwähnt habe oder ob das von Anfang an geplant war).

Ansonsten bleibt mir nichts anderes übrig, als das „Thank You“ mit ganzem Herzen zurückzugeben und viel Erfolg für die weitere Zukunft zu wünschen. Danke, liebe Augustines. Für Alles.

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Die Augustines und ich, nachdem Billy meine nervös an den Körper gepressten Arme nahm und meinte: „Komm, wir machen jetzt eine Siegerpose!“

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