a0056d30-fe87-0133-a04f-621a88f646f7
Es ist spätnachts und wir fahren eine einsame Straße entlang. Die Straßenlaternen lassen das
dunkle Innere des Autos immer für kurze Zeit aufleuchten, während an uns Orte vorbeiziehen, die Namen wie „New Jerusalem“ oder „Greenwoods Bethlehem“ tragen…

Zwei Jahre nach ihrem gefeierten Debütalbum Islands melden sich Bear’s Den aus London mit neuem Material zurück und entführen uns auf eine imaginäre Autofahrt mit 80ies-Charme. Für die Platte „Red Earth and Pouring Rain“ verlassen sie die bekannten Folk-Pfade des Vorgängers: Das zuvor allseits präsente Banjo rückt nun in den Hintergrund und lässt Platz für butterweiche Retro-Synthies.

Thema sind auch dieses Mal wieder tieftraurige Geschichten, die Sänger Andrew Davie musikalisch verarbeitet. Hinter Songs mit harmlosen Titeln wie „Napoleon“ verbirgt sich dann zum Beispiel das deprimierende Schicksal des Freundes, der wieder über einem Glas Napoleon-Brandy hängt und die immer gleichen Sätze von sich gibt. So spiegelt die Single „Auld Wives“ den Kampf des eigenen Großvaters mit der Alzheimer Krankheit und der Wiederfindung der Erinnerungen wieder.

Bear’s Den haben es erneut geschafft, komplexe Gefühle musikalisch umzusetzen und Stimmungen zu erzeugen, die den Hörer packen und nicht wieder loslassen. Dabei sind sie aber so sanft, dass Firmen wie Tempo oder Lenor Konkurs gehen würden, wenn man die Songs nur anfassen könnte. Tracks wie „Gabriel“ gehen über einen kurzen Umweg über die Ohren und danach direkt ins Herz.

Während man für die Höhle des Löwen eine gehörige Portion Mut braucht, wird man mit offenen Armen in der Bärenhöhle aufgenommen und findet dort 60 Minuten lang Geborgenheit. Bear’s Den liefern mit „Red Earth and Pouring Rain“ einen würdigen Nachfolger und zeigen, wie ein gelungener Stilwechsel aussehen muss. Der neue Sound mag zwar nicht jedem Fan der ersten Stunde zusagen, jedoch ist auch das zweite Album der Briten auf seine Weise genauso rund und innovativ wie das grandiose Debüt. Wenn Bear’s Den diesen Kurs des „Sich-Immer-Neu-Erfindens“ beibehalten, dürfen wir durchaus gespannt auf Album Nummer 3 sein.

BewertungReview8


Anspieltipps:

Dew On The Vine
New Jerusalem
Auld Wives
Gabriel

Ein Gedanke zu “Albumreview: Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s